"Karbid und Sauerampfer" (Carbide and Sorrel) - Freitag Filmabend - DVD Screening

02 Dec 2011

On Friday evening 2 December at 6:30 PM in our rooms in the Griffin Centre, Genge Street, Civic.

Black and white film from 1963.

German censorship rating: FSK ab 16 freigegeben

In German with English subtitles.

Running time: approximately 80 minutes (so will finish at 7:50 PM).

Entry by gold coin donation. Bring your own refreshments if you wish.

 

After the second World War, Dresden has a lot of reconstructing to do. To get the cigarette factory he once worked for running again, Kalle has to travel to Wittenberg - the only place where carbide can be found. Once there, Kalle find himself in the unfortunate situation of having to hitchhike his way back to Dresden, transporting seven heavy barrels of carbide. However, his inventiveness and optimistic attitude help transform the gruelling task into an adventurous, entertaining, and funny journey.

 

At 1945, in the devastated city of Dresden, Karl 'Kalle' Blücher - a former worker in the cigarettes factory - returns home, wishing to resume his job. The chief of the reconstruction team explains that the plant cannot produce cigarettes without carbide. He assigns Kalle with the mission to obtain the material. The worker travels to Wittenberge and manages to secure nine barrels, but his return to Dresden turns into a long chain of comical incidents: at first, a war widow named Karla allows him to travel on her wagon. Afterwards, he encounters greedy American soldiers, Red Army troops who confiscate some of his barrels and other obstacles. Eventually, after many adventures, he brings two barrels back and marries Karla.

 

Frank Beyer recounted that the script was authorized without unusual problems. But after the filming ended, the representatives of the East German Ministry of Culture were worried that the portrayal of Red Army soldiers as comical plunderers would offend the Soviet Union. The deputy Minister then took a copy of the film to Moscow and arranged a screening for a local audience. The attendants broke into a loud laughter during the viewing, and it was approved for mass screening.

 

Actor Erwin Geschonneck told that "In Carbide and Sorrel we did not ignore the hardships of the time. We did not turn the people who rebuilt the country into a joke... We knew that, in spite of all the challenges back then, the people also had funny experiences and knew to laugh about them

 

The film was well received.  Author Joshua Feinstein noted that "the picture spared no one, including the Red Army, in its satire. The work also subtly undermined the official accounts of the GDR's history." Seán Allan and John Sandford wrote that "it took a deceptively light-hearted look at the division of Germany" and was a "milestone in DEFA's history." Catherine Fowler concluded that it was one of the "most prominent" examples of "DEFA comedies... relaxed enough to laugh at their own Germanness." Frank Beyer's codename in the Stasi files, Karbid, was inspired by the film's title.

 

Handlung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges liegt Dresden in Schutt und Asche. Darunter auch die Zigarettenfabrik. Für den Wiederaufbau benötigt man Karbid zum Schweißen. Kalle, der früher hier gearbeitet hat, möchte, dass sein alter Arbeitsplatz wieder aufgebaut wird. Deshalb macht sich der Nichtraucher Kalle auf, um Karbid zu beschaffen.

In Wittenberge bekommt er sieben Fässer Karbid – und muss diese nun ohne eigenes Transportmittel nach Dresden schaffen. Als erstes nimmt ihn die sympathische Karla mit ihrem Fuhrwerk mit. Am liebsten würde er länger bei ihr bleiben, doch die Pflicht treibt ihn weiter. Er verspricht, wiederzukehren. Sein einziges Zahlungsmittel sind Zigaretten. Dafür wird er von einem LKW-Fahrer mitgenommen.

Letztlich wird die Rückfahrt deutlich schwerer als gedacht. Kalle wird verdächtigt, ein Plünderer zu sein, muss sich mit einem geschäftstüchtigen amerikanischen Soldaten auseinandersetzen, ebenso wie mit Rotarmisten, die ihm mehrere seiner Fässer abnehmen. Er erleidet Schiffbruch und muss sich einer mannstollen Witwe erwehren.

Trotz aller Widrigkeiten bringt er zwei Fässer bis nach Dresden. Nun kann ein Neuanfang beginnen. Nicht zuletzt, weil es für den Hallodri Kalle nötig ist, eine gute Grundlage zu schaffen; immerhin werden er und Karla Eltern.

Bemerkungen

Die Geschichte des Films basiert auf wahren Ereignissen. Autor Hans Oliva-Hagen schrieb an dem Stoff schon, während Gewissen in Aufruhr – ebenfalls mit Erwin Geschonneck in der Hauptrolle – gedreht wurde. Ursprünglich sollte ebenfalls Günter Reisch Regie führen; da dieser jedoch nicht verfügbar war, wurde Frank Beyer Regisseur des Films. Zunächst hatte er Probleme, Geschonneck als Hauptdarsteller durchzusetzen, da man bei der DEFA einen jüngeren Hauptdarsteller wollte.

Der echte Karbid-Kalle – Richard Hartmann – hatte mehr Erfolg als Karbid-Kalle im Film. Mit einem Kollegen brachte er alle seine neun Fässer ins Werk. Allerdings erlebte er nicht ganz so aufregende Abenteuer und zeugte unterwegs auch kein Kind. Hartmann und Geschonneck lernten sich erst nach den Dreharbeiten kennen. Alternativ war als Titel auch Karbid-Kalle in der Überlegung.

Die Episode, in der Pilze in einem Minenfeld gesammelt werden, geht auf ein wahres Erlebnis von DEFA-Regisseur Kurt Maetzig zurück. Der Opernsänger Rudolf Asmus hat hier den einzigen Filmauftritt außerhalb Walter Felsensteins Operverfilmungen. Für Erwin Geschonneck war der Film der endgültige, wenn auch späte, Durchbruch zum großen DEFA-Star und Charakterkomiker.

Der Schwarzweißfilm der DEFA-Gruppe KAG „Roter Kreis“ hatte am 27. Dezember 1963 im Berliner Kino Kosmos Premiere.

Regisseur Beyer und Kameramann Günter Marczinkowsky entdecken so etwas wie den ‚optischen Witz‘, wenn sie meist vom ‚Detail‘ in die Totale gehen, wenn sie komische Situationen als Ganzes erfassen, den Schauspieler stets in Beziehung zur Umwelt zeigen, dabei aber ganz knapp bleiben, die Pointen oft durch den Schnitt oder die Klappblende setzen.“

– Christoph Funke in Der Morgen, 9. Januar 1964

„Hier wird Komik nicht als Surrogat aus der Traumfabrik geboten, sondern ist aus einer Realität gewonnen, die die meisten Zuschauer noch miterlebt haben, damals aber kaum zum Lachen fanden. Hinzu kommt als weiteres Plus ein komischer Held, mit dem Identifikation wiederum möglich ist: ein Arbeiter dessen scheinbar unerschütterlicher Gleichmut und schlauer Witz sich in allen Situationen bewähren und der in der Darstellung von Erwin Geschonneck […] echtes Lustspielformat erhält.“

– Heinz Kersten in: Tagesspiegel, 16. Dezember 1973

„Erster Versuch der DEFA, Lebensumstände und Alltagsschwierigkeiten unmittelbar nach Kriegsende aus heiterer Perspektive darzustellen. Das Ergebnis ist eine der besten deutschen Filmkomödien, die, auf einem mit Pointen gespickten Drehbuch beruhend, mit einem souverän-überzeugenden Hauptdarsteller aufwarten kann. Dabei wird bei aller komischen Forciertheit nie die soziale Genauigkeit aus den Augen verloren; für damalige Verhältnisse erfrischend freche politische Untertöne runden die vergnügliche Handlung ab.“

Lexikon des Internationalen Films